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Der Kenner genießt und schweigt

Mit Liedern und Texten über die laut Brockhaus „opferbereite Gefühlsbindung“ hat die Sängerin Ann Junk ihr Publikum im Siemers’schen Hof begeistert. Sie jonglierte locker und gekonnt mit zum Teil frechen und freizügigen Inhalten, die Lust auf Mehr machen.

Die Liebe ist ein Thema mit vielen Variationen, immer interessant und aktuell. Jeder hat einen ganz eigenen Blickwinkel auf die schönste Nebensache der Welt. Einfühlsam gestaltet Ann Junk den gemeinsamen Abend. Bekannte Chansons wie „Non, je ne regrette rien“ und „Amsterdam“ bauen eine Brücke zu den Zuhörern, die sich der 54-jährigen Künstlerin ganz schnell anvertrauen. Die intime Atmosphäre der Diele im Siemers’schen Hof schafft Nähe und die Möglichkeit zum direkten Dialog. Man lässt sich auf das Programm ein und ist stets neugierig. Liedtexte, Geschichten und Gedichte werden langsam immer eindeutig-zweideutiger. Es geht um biologische Tatsachen, den kleinen Unterschied zwischen Mann und Frau, Intimes und pikante Details des Liebesspiels. Ann Junk öffnet mit ihrer warmen und kraftvollen Altstimme die Türen eines Freudenhauses und gewährt einen Blick hinter die Mauern eines Klosters, wo längst nicht alles mit rechten Dingen zugeht: Der Priester „besucht“ die Äbtissin in einer Kiste.

Weisheiten für das Leben aus der Ritterzeit und eine Antwort auf 40 Jahre frauenfeindliche Witze sorgen für Stimmung. Da stolpert niemand über hormonell bedingte Entgleisungen, nackte Tatsachen oder frivole Texte. Es wird wissentlich gelächelt, geklatscht oder nach Aufforderung lautstark ein Refrain mitgesungen, der die Phantasie weiter anregt.

Ann Junks Botschaft kommt an. Man spürt die Lebenserfahrung und das persönliche Engagement ganz deutlich. Ein Tänzchen mit einem Gast, fröhliches Lachen, Aufmunterung für ihren etwas zurückhaltenden musikalischen Begleiter Sergej Semtschenko, der erst das dritte Mal an ihrer Seite ist - alles stimmt. Die Sängerin zaubert einen Abend, den man nach Zugaben und stürmischem Applaus nur ungern beendet.

Quelle: Markt für die Walddörfer vom 12. Dezember 2002

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Ann Junk